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Zotero Plugins Atlas: Das Verzeichnis mit Bewertungen

Blog - Zotero Plugins Atlas mit Bewertungen

Wer in Zotero auf Werkzeuge → Plugins klickt, liest unten im Fenster weiterhin den Hinweis, man könne Plugins aus dem offiziellen Zotero-Verzeichnis herunterladen. Nur: Dieses Verzeichnis gibt es seit Mai 2026 nicht mehr. Die Seite wurde abgeschaltet, weil sie so veraltet war, dass sie aktiv in die Irre führte. Ein offizieller Plugin-Marktplatz ist angekündigt, aber noch nicht da.

Damit steht man vor zwei Fragen, die vorher niemand stellen musste: Wo findet man überhaupt noch Plugins – und woran erkennt man, ob eines davon vertrauenswürdig ist?

Die Verzeichnisse, die es stattdessen gibt

Mehrere Anlaufstellen haben die Lücke gefüllt, jede mit einer Einschränkung:

  • zotero-chinese.com/en/plugins – das von der chinesischen Community gepflegte Verzeichnis, das in den Zotero-Foren als Ersatz empfohlen wird. Umfangreich und gut gemacht, sagt aber nichts darüber aus, was ein Plugin mit deiner Bibliothek macht.
  • Add-on Market for Zotero – ein Plugin, das einen Plugin-Store in Zotero selbst einbaut. Praktisch, aber man installiert eine Erweiterung, um Erweiterungen zu installieren.
  • Das GitHub-Topic zotero-plugin – vollständig, aber ungefiltert. Hier steht das ausgereifte Projekt neben dem Wochenendexperiment, ohne Unterschied.
  • Zotero Forum und Reddit – direkt an der Quelle, aber schwer zu finden. Sobald ein Thread nach unten rutscht, ist er bereits schwer zu finden.

Keine dieser Quellen beantwortet die Sicherheitsfrage. Und die ist nicht theoretisch: Zotero-Plugins laufen mit vollem Zugriff auf deine Bibliothek und auf dein Dateisystem.

Der Plugins Atlas

Genau da setzt zoteroplugins.org an. Das Verzeichnis listet derzeit rund 1.372 Plugins – und vergibt für jedes eine Note, die auf einer Prüfung des tatsächlichen Programmcodes beruht.

Jede Karte zeigt neben der Note, mit welchen Zotero-Versionen das Plugin läuft, ob es einen API-Key braucht, ob es mit einem lokalen Modell arbeiten kann, wann zuletzt daran gearbeitet wurde und wie oft die Release-Dateien auf GitHub heruntergeladen wurden. Gerade der letzte Wert ist nützlich: Er unterscheidet ein etabliertes Projekt von einem mit zwölf Downloads.

zoteroplugins.org homepage overview

Was tatsächlich geprüft wird

Drei Dinge bestimmen die Note:

  1. Lesbarkeit des Codes – lässt er sich überhaupt prüfen, und wurde die veröffentlichte Datei aus dem offenen Quellcode gebaut?
  2. Wohin deine Daten gehen – welche Server das Plugin kontaktiert, und ob das benannte Dienste sind oder die eigenen Server des Entwicklers.
  3. Mächtige Berechtigungen – native Programmbibliotheken, das Starten fremder Programme, zur Laufzeit erzeugter Code, Dateizugriff, Passwortspeicherung.

Alles andere – Zotero-Kompatibilität, Voraussetzungen, Wartungsstand, Sprache der Dokumentation – wird angezeigt, fließt aber nicht in die Note ein.

Entscheidend ist die Logik dahinter: Der schlechteste Einzelbefund bestimmt die Note. Ein Plugin kann ein Problem nicht dadurch ausgleichen, dass es sonst überall gut abschneidet. Jeder Befund verlinkt auf die Datei und die Zeile, aus der er stammt.

Für die Bestnote A+ reicht die Codeprüfung nicht: Das Plugin wird in einer frischen Zotero-10-Installation eingerichtet, bedient, und dabei wird jeder kontaktierte Server mitgeschnitten – samt dem, was übertragen wird.

zoteroplugins.org - how we grade

Warum fast die Hälfte aller Plugins ein „B“ hat

Die Verteilung sieht auf den ersten Blick beunruhigend aus:

NoteBedeutungAnzahl
A+Empfohlen, in Zotero getestet191
AEmpfohlen490
BMit Bedacht verwenden612
CNicht empfohlen69
–Noch nicht bewertet10

B ist die häufigste Note, nicht die Ausnahme. Und dort stehen Namen, die kaum jemand für bedenklich hält: Better BibTeX, Better Notes, Actions and Tags, Linter for Zotero, Attanger, MarkDB-Connect.

Der Grund ist in den meisten Fällen derselbe Befund: Ein zotero://-Link – den eine Webseite öffnen kann – ist in der Lage, die Installation eines Add-ons anzustoßen, ohne vorher zu fragen. Das stammt nicht aus dem Code der jeweiligen Plugins, sondern aus dem zotero-plugin-toolkit, der Entwicklungsvorlage, auf der ein großer Teil des Ökosystems aufbaut.

Das ist ein echter Befund und gehört benannt. Aber es ist eine Aussage über eine gemeinsame Abhängigkeit, nicht über die Sorgfalt der einzelnen Entwickler. Wer die Noten überfliegt und B als Warnung liest, sortiert die halbe Zotero-Landschaft aus – darunter die Plugins, die ich selbst täglich benutze.

Praktisch heißt das: Bei B lohnt sich der Blick auf die Begründung. Steht dort der Toolkit-Befund, ist das etwas anderes, als wenn ein Plugin Daten an einen Server schickt, den niemand zuordnen kann.

Wann es ernst wird: Note C

69 Plugins stehen auf C, und hier sind die Befunde konkret und nicht mit Hausmitteln zu prüfen:

  • Obfuskierter Code – absichtlich verschleiert, sodass sich nicht nachvollziehen lässt, was passiert. Betrifft unter anderem Ethereal Style, Zotero IF und Doc2X.
  • Verschlüsselter Code, der zur Laufzeit ausgeführt wird (Awesome GPT, Ethereal Reference).
  • Ungepinnte Pakete – das Plugin installiert npm- oder PyPI-Pakete ohne feste Version, der Inhalt kann sich also jederzeit ändern.
  • Abgeschaltete Sicherheitseinstellungen in Zotero selbst.

Das sind die Fälle, in denen die Note einen echten Mehrwert gegenüber dem eigenen Bauchgefühl liefert. Verschleierten Code erkennt man als Anwender nicht.

Drei Fälle, die den Betreiber zum Projekt gebracht haben

Wie konkret solche Befunde aussehen, zeigen drei Plugins aus der Liste:

  • Ethereal Reference – fast acht Millionen Downloads. Ein Teil des Codes liegt verschlüsselt vor. Außer dem Entwickler kann niemand nachvollziehen, was dort mit der Bibliothek geschieht.
  • Awesome GPT – ein Link auf einer Webseite kann dazu führen, dass das Plugin Code innerhalb von Zotero ausführt. Gefragt wird vorher nicht.
  • Paper Chat – das Plugin installiert seine eigenen Updates still über Drittanbieter-Seiten, ohne zu prüfen, ob die Datei echt ist.

Keiner dieser Befunde beweist böse Absicht. Aber jedes Zotero-Plugin bekommt vollen Zugriff auf die Bibliothek und auf den Rechner. Und Zotero ist Open Source – gebaut auf der Idee, dass nachvollziehbar bleibt, was die eigene Forschung berührt. Plugins, die verschleierten oder verschlüsselten Code ausliefern, vertragen sich damit schlecht, auch wenn Zotero selbst keine Regel dagegen hat.

Genau daraus ist das Projekt entstanden. Ilias Beshimov, der hinter dem Atlas steht, beschreibt es so: Er sei beim bloßen Stöbern nach neuen Plugins immer wieder auf solche Überraschungen gestoßen – und habe gewollt, dass man sie vor der Installation sieht, nicht danach.

Wer dahintersteckt

Der Atlas ist ein Hobbyprojekt von Ilias Beshimov. Er arbeitet als Product Manager bei Academia.edu – das legt er auf der Seite selbst offen und stellt klar, dass das Projekt davon getrennt und nicht mit Academia.edu verbunden ist. Entstanden ist es, weil er ohnehin gern neue Zotero-Plugins sucht und beim Zusammentragen auf Dinge stieß, die man vor einer Installation wissen möchte.

Keine Werbung, keine bezahlten Einträge, niemand kann sich eine bessere Note kaufen. Der Code steht unter MIT-Lizenz, die Daten unter CC BY 4.0, alles liegt offen auf GitHub – einschließlich der Prüfregeln. Entwickler können jeder Bewertung widersprechen; ihre Antwort wird neben der Karte veröffentlicht.

Mit Zotero selbst hat die Seite nichts zu tun. Sie ist kein offizieller Ersatz für das abgeschaltete Verzeichnis.

Wo KI im Spiel ist – und wo nicht

Die Seite ist sichtbar mit KI-Unterstützung entstanden, und das wirft naheliegende Fragen auf. Die Antwort steht auf der Seite: Die Noten vergibt keine KI. Sie ergeben sich aus den veröffentlichten Regeln und dem Live-Test.

KI übernimmt zwei klar abgegrenzte Aufgaben: die allgemeinverständlichen „Was es macht“-Beschreibungen, die aus der jeweiligen README entstehen und auf jeder Karte als solche gekennzeichnet sind – und die Angaben dazu, was man braucht (API-Key, lokales Modell, Konto). Letztere werden von einem zweiten, unabhängigen Durchlauf geprüft und müssen die Dokumentation oder den Code des Plugins zitieren. Weichen die beiden Durchläufe voneinander ab oder fehlt der Beleg, lässt die Karte die Angabe weg, statt zu raten.

Das ist sauberer gelöst als bei manchem von Hand gepflegten Verzeichnis.

Was der Atlas nicht leisten kann

  • Ohne .xpi keine Note. Veröffentlicht ein Projekt seine Releases ohne installierbare Datei, bleibt die Bewertung offen. Das trifft derzeit unter anderem ZotSeek und PapersGPT – beides keine Aussage über deren Qualität.
  • Noten gelten pro Version. Jede neue Veröffentlichung wird erneut geprüft, Änderungen landen in einem öffentlichen Log. Die Angaben in diesem Artikel sind der Stand von Ende Oktober 2026.
  • Ein Einzelprojekt. Es gibt keine Redaktion, kein Vier-Augen-Prinzip und keine Garantie, dass die Prüfung weitergeführt wird.
  • Eine Note ersetzt kein Urteil. Dass ein Plugin unbedenklich ist, heißt nicht, dass es gut gemacht oder für deinen Arbeitsablauf sinnvoll ist.

Fazit

Für die Frage „Was macht dieses Plugin eigentlich mit meiner Bibliothek?“ gab es bisher keine brauchbare Antwort. Der Plugins Atlas liefert sie – nachvollziehbar, offen dokumentiert und ohne kommerzielles Interesse.

Mein Vorgehen vor einer Installation sieht inzwischen so aus: Note ansehen, bei B die Begründung lesen und prüfen, ob es der bekannte Toolkit-Befund ist, bei C genauer hinsehen, und zusätzlich auf Wartungsstand und Download-Zahl achten. Das dauert eine Minute und erspart im Zweifel einiges.

Welche Plugins ich selbst benutze, steht in meinem Artikel Die Top Zotero Erweiterungen, ohne die ich nicht leben kann. Wer speziell nach KI-Erweiterungen sucht, findet sie unter KI in Zotero: Die besten Plugins im Überblick.

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